12.05.2017
Kategorie: Sozialkunde, Presseschau, Startseite
Von: eingestellt von S. Jaqui

Gymnasiasten hinterfragen „die große Politik“


Sechs Parteienvertreter beantworten Fragen Kusel.


Es ist schon guter Brauch, dass vor großen Wahlen auch Schüler - ob wahlberechtigt oder nicht - Fragen an die Kandidaten stellen, die sich für ein politisches Mandat bewerben. So hielten es auch die Schüler des Siebenpfeiffer-Gymnasiums, die letzte Woche mit Dr. Stefan Scheil (AfD), Xaver Jung (CDU), Achim Bertram (FDP), Paul Bunjes (Bündnis 90/Die Grünen), Alexander Ulrich (Die Linke) und Gustav Herzog (SPD) sechs Parteienvertreter begrüßen konnten. Die erste Frage zielte auf den NATO-Flugplatz Ramstein ab.

Gustav Herzog sah die Airbase als militärische Konsequenz aus der Zugehörigkeit der Bundesrepublik zur NATO, würdigte sie als Wirtschaftsfaktor mit den 54.000 Militärangehörigen, sprach aber auch den Fluglärm an. Insgesamt wünsche er sich eine Reduzierung der US-Präsenz.

Alexander Ulrich sagte JA zum Wirtschaftsfaktor, verwies aber auch auf andere Faktoren, die gegen die US-Präsenz in Ramstein sprechen. So der Drohnenkrieg, der von Ramstein aus gesteuert werde, außerdem könne die Region dadurch zum Ziel von Terror-Angriffen werden.

Paul Bunjes stimmte dem Wirtschaftsfaktor zu, vor allem durch die Vermietung von Wohnungen an Militärangehörige.

Achim Bertram hinterfragte die Souveränität der BRD. Die militärische Präsenz sei notwendig, wir befänden uns nicht in einer Wunschwelt.

Xaver Jung bezeichnete die US-Präsenz als Gewinn für die Region. Er erinnerte an die bisherige Friedensphase in Mitteleuropa.

Dr. Stefan Scheil verwies auf die bisher guten Erfahrungen mit den USA und sah kein Problem in der US-Präsenz.

Medizinische Versorgung

Hier gingen die Meinungen etwas weiter auseinander. Während Alexander Ulrich den Hausärzteberuf attraktiver machen will, monierte Dr. Stefan Scheil die Bürokratie bei der Vergabe von freien Arztpraxen. Auch sollte die Anerkennung von Ärzten nicht nach den Abiturnoten erfolgen.

Paul Bunjes sprach sich für zeitlich begrenzte Anreize aus, die Interessenten für Arztpraxen auf dem Land gewährt werden sollten.

Für Achim Bertram ist die enorme Regulierung der Haupthinderungsgrund bei jungen Ärzten, sich auf dem Land niederzulassen.

Xaver Jung plädierte dafür, dass die Länder Zuschüsse zur Ansiedlung von Ärzten zahlen.

Gustav Herzog sah die Region im wesentlichen noch gut versorgt, was aber in der Hauptsache auf das Westpfalz-Klinikum zurückzuführen sei. Sein Vorschlag: Medizinische Versorgungszentren schaffen.

Mindestlohn

Für Paul Bunjes ein Erfolg, für Achim Bertram ein Misserfolg, denn Preiserhöhungenn und Entlassungen seien die Folge gewesen.

Xaver Jung sprach sich für schrittweise Erhöhungen aus, zudem müsse man die Entwicklung der Renten im Auge behalten.

Dr. Stefan Scheil begrüßte die Einführung des Mindestlohnes, er habe positive Auswirkungen auf die Wirtschaft gehabt.

Gustav Herzog verwies auf den Koalitionsvertrag. Der Mindestlohn habe auch dafür gesorgt, dass die Menschen mehr Geld in der Tasche hätten, dazu mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse entstanden seien.

Alexander Ulrich bezeichnete den Mindestlohn als gute und notwendige Sache. Er müsse aber auf 12 Euro erhöht werden, damit die Menschen auch vertretbare Renten erhalten.

Europäische Union

Dr. Stefan Scheil bezeichnete die EU als Superstaat mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnissen, im Norden prosperierende Wirtschaft, im Süden hohe Arbeitslosigkeit.

Die übrigen Kandidaten nennen die EU eine zwingende Notwendigkeit. Gerade die Bundesrepublik habe den meisten Nutzen, weil sie in der Mitte der EU liege. Und die über 70 Jahre Frieden in Europa sei ein Ergebnis der europäischen Zusammenarbeit.

Eine interessante Gesprächsrunde, der sich eine kurze, nach Ansicht vieler Schüler viel zu kurze, Diskussionsrunde anschloss. (hc)

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Wochenblattes)

 

Quelle

Ausgabe SÜWE - Wochenblatt Kusel - Nr. 73
Datum Donnerstag, den 11. Mai 2017
Seite 48