Gedenkstättenfahrt der Klassen 10a und 10b nach Verdun

Manche Dinge lassen sich nicht aus einem Buch lernen. Wer durch die engen, feuchten Stollen der Zitadelle gegangen ist, wer vor den endlosen Reihen weißer Kreuze in Douaumont gestanden hat, wer die Stille über dem zerstörten Dorf Fleury gespürt hat, der begreift auf eine Weise, was Krieg und Leid für Menschen bedeuten, wie es kein Schulbuch und kein Unterrichtsgespräch vermitteln kann. Solche außerschulischen Lernorte berühren nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz – und genau darin liegt ihre besondere Kraft.

Diese Erfahrung machten die Klassen 10a und 10b des Siebenpfeiffer-Gymnasiums Kusel auf ihrer dreitägigen Gedenkstättenfahrt nach Verdun, die im Rahmen des Religionsunterrichts unter der Leitung von Herrn Neuberger und in Begleitung von Frau Schaan stattfand. Den Lehrkräften ging es dabei ausdrücklich nicht nur darum, geschichtliches Wissen über die Schlacht um Verdun zu vermitteln. Viel wichtiger war die Hoffnung, dass die Schülerinnen und Schüler aus den eindrücklichen Begegnungen mit diesen Orten ein tieferes Gespür dafür mitnehmen, was es bedeutet, wenn Menschen leiden – und die Erkenntnis, dass Frieden niemals selbstverständlich ist, sondern ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag neu gelebt und geschützt werden muss. Genau darin liegt die Hoffnung: dass diese Sensibilität die Schülerinnen und Schüler über die Fahrt hinaus begleitet und ihr eigenes Leben und Denken prägt.

Tag 1: Ankunft und erste Eindrücke in der Zitadelle

Nach einer Vorreflexion und einer thematischen Einführung in Kusel ging es am Vormittag nach Verdun. Dort erwartete die Gruppe eine interaktive Führung durch die unterirdische Zitadelle, das frühere logistische Zentrum des Standorts Verdun. In den weitläufigen, gewölbten Gängen mit ihren einfachen eisernen Pritschen wurde schnell greifbar, unter welchen Bedingungen die Soldaten hier vor ihrem Einsatz an der Front untergebracht waren. Eine Zeitzeugenstimme aus dem Jahr 1916 beschrieb die Zitadelle als das „Vorzimmer zur Hölle“ – ein Satz, der bei vielen Schülerinnen und Schülern lange nachwirkte. Nach etwas Freizeit in der Stadt und der Fahrt zur Unterkunft endete der Tag mit dem gemeinsamen Abendessen und einem Abendimpuls, der den Auftakt der Fahrt noch einmal reflektierte.

Tag 2: Fort Douaumont, Fleury und das Beinhaus

Der zweite Tag führte die Gruppe zunächst zum Fort Douaumont, das von innen und außen besichtigt wurde. Anschließend stand der Besuch des einstigen Dorfes Fleury auf dem Programm, das 1916 vollständig zerstört wurde und bis heute unbewohnt ist. Nach einem Picknick im Gelände besuchte die Gruppe das Beinhaus von Douaumont mit einem Film zur Geschichte der Schlacht sowie den davorliegenden Soldatenfriedhof. Die endlosen Reihen weißer Kreuze hinterließen bei den Jugendlichen einen bleibenden Eindruck von der Dimension des Sterbens. Nach einem kurzen Stopp im Supermarkt klang der Abend bei einem gemeinsamen Essen und einer Abendreflexion aus – und auch für entspannte gemeinsame Stunden blieb Raum.

Tag 3: Schützengräben von Saint-Mihiel und der deutsche Soldatenfriedhof

Am letzten Tag besichtigte die Gruppe nach einem Morgenimpuls die Schützengräben von Saint-Mihiel und wanderte durch das von Bombentrichtern geprägte Gelände. Nach einem Picknick führte der Weg weiter zum deutschen Soldatenfriedhof, wo ein Impuls und eine Arbeitsaufgabe noch einmal zum Nachdenken über die deutsche Perspektive auf den Krieg anregten. Am Nachmittag trat die Gruppe die Heimreise nach Kusel an – mit vielen bewegenden Eindrücken im Gepäck, die weit über das hinausreichen, was ein gewöhnlicher Unterricht je vermitteln könnte.

(Jessica Schaan)