Quadratmeterpreise statt Wurzelziehen

Am Siebenpfeiffertag besuchte die Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung (IWJB) die Schüler der 13. Klasse, um sie auf das Erwachsenenleben vorzubereiten. Was in dem Crashkurs am Zukunftstag in vier Workshops vermittelt wurde.
Von Lena Drumm
Kusel. Parabeln berechnen, Gedichtsanalysen schreiben und physikalische Gesetze verstehen – das alles ist wichtig auf dem Weg zum Abitur. Doch viele Jugendliche fühlen sich schlecht vorbereitet auf das, was danach auf sie zukommt. Gut 93 Prozent von ihnen wünschen sich, mehr über die „wichtigen Dinge“ zu erfahren, wie Isy Weyerhausen von der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung (IWJB) verrät. Das Projekt „Zukunftstag“ entstand schon vor einigen Jahren und wurde 2019 erstmals in Kassel durchgeführt.
„Vom Hotel Mama und
Papa wegkommen“Mittlerweile klären die Mitglieder Schüler im gesamten deutschsprachigen Raum über wirtschaftliche Bildung auf und sind das zweite Mal am Siebenpfeiffer-Gymnasium. Karin Küfer, Leiterin der gymnasialen Oberstufe, ist begeistert von dem Projekt. „Es ist sehr praxisnah aufgebaut und soll den Schülern helfen, vom Hotel Mama und Papa wegzukommen“, erzählt sie lachend. Das Feedback aus dem ersten Jahr sei sehr positiv gewesen. So kommt es, dass die Schüler der 13. Klassenstufe am Donnerstag um 8 Uhr in der Mensa eine Einführung in das Projekt erhalten, ehe es heißt: ab in die Workshops.
Eingeteilt in kleinere Gruppen, machen sich die Jugendlichen auf den Weg zu den Referenten, die ihnen Fachwissen zum Thema Wohnen, Steuern, Berufsstart und Finanzen vermitteln. Neben Kooperationen mit größeren Unternehmen achtet die Initiative darauf, lokale Experten ins Boot zu holen. „Unsere Referenten kommen meist aus einem 20 bis 50 Kilometer großen Umkreis der Schule“, berichtet Weyershausen. Einer von ihnen ist Andreas Schnellting, der als Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft fundiertes Wissen rund um das Thema Wohnen vermitteln soll. Er ist bereits das zweite Mal dabei – zuvor am Wirtschaftsgymnasium – und begrüßt die Schüler mit einem praktischen Einstieg. Mit einem interaktiven Quiz prüft er, wie viel die Zuhörer schon wissen. Fragen zu dem Mieteranteil in Deutschland oder der teuersten Stadt bezüglich ihrer Mietobjekte werden rasch beantwortet. Bei den konkreten Quadratmeterpreisen in den Großstädten nahe Kusel sind einige überrascht. Schnellting fragt nach Zukunftsplänen – und der ein oder andere sieht das erste Mal, wie teuer das Leben in der Stadt mit der Wunschuniversität sein kann. Die Schüler erhalten einen Einblick in die Suche nach dem geeigneten Objekt und dessen Besichtigung sowie in den Mietvertrag und die Rechten und Pflichten als Mieter. Alles gut aufgearbeitet, aber dennoch im Schnelldurchlauf.
Erwachsen werden innerhalb eines Schultages?„Es ist schon relativ viel auf einmal, aber eben auch alles sehr wichtig“, erklärt die 18-jährige Alina. „Das Ganze ist schon ganz gut runtergekürzt, aber ich hätte gerne ein Blatt Papier, auf dem alles gesammelt steht“, merkt Felix (18) an. Auf seine Rückfrage hin stellt sich heraus, dass die Initiative auch daran gedacht hat und Handouts mit den wichtigsten Punkten verteilt. Nach einer guten Stunde ist der Vortrag dann vorüber, und es folgt eine kleine Pause zum Verschnaufen und Verdauen der vielen Infos. Sebastian Denzer, betreuende Lehrkraft, hilft bei kleinen technischen Problemen, was Isy Weyershausen nur grinsend mit „Wir machen eben auch Medienbildung“ kommentiert. Hinter der nächsten Tür wartet Sylvia Hemm, die als Referentin für Aus- und Fortbildung bei der Krankenkasse IKK Südwest alle Fragen rund ums Thema Berufseinstieg klären will.
Sie selbst hat 2004 am damaligen Gymnasium Kusel ihr Abitur gemacht und kennt noch gut die Gedanken, Fragen und Zukunftsängste rund um den Abschluss und was danach kommt. Die Personalerin rät den Anwesenden herauszufinden, was sie wirklich interessiert. Sie sollen keine Angst vor dem Scheitern haben, gibt sie ihnen mit auf den Weg. „Man muss den Mut haben, Entscheidungen zu treffen“, sagt sie. In praxisnahen Übungen lernen alle Schüler, wie man einen guten Lebenslauf verfasst und reflektieren eigene Stärken und Schwächen. „Am Schluss hoffe ich, dass ich das Thema etwas entzaubern konnte. Ich möchte den Schülern nahelegen, dass Selbstreflexion ganz wichtig ist und dass man keine Angst vor einem Bewerbungsgespräch haben muss“, so Hemm. Nach dem ersten Informationsblock sind alle sichtlich zufrieden. Sebastian Denzer hält Rücksprache mit den Referenten und dem Team der Initiative und erkundigt sich, ob alles nach Plan läuft, ehe zwei weitere Referenten übernehmen. Diese sollen den 13-Klässlern die Themen Steuern und Finanzen erklären.
(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz)
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Quelle
| Ausgabe | Die Rheinpfalz Westricher Rundschau – Nr. 212 |
| Datum | Freitag, den 12. September 2025 |
| Seite | 12 |












