13.11.2016
Kategorie: Sozialkunde, Startseite
Von: Ursula Klos, Michael Berwanger/eingestellt von S. Jaqui

„Aus Geschichte muss man lernen“


Im Rahmen der Abgeordneten-Gespräche mit jungen Bürgern über den 9. November besuchte der SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Hartloff am vergangen Montag das Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel. Dort traf er mit den Schülerinnen und Schülern der Leistungskurse 11 und 12 Sozialkunde zu einem Gedankenaustausch über die „Politische Bedeutung des 9. November“ zusammen.

Auch wenn am 9. November eine Reihe historisch bedeutender Ereignisse stattgefunden haben, wie z.B. der Fall der Mauer (1989) und die Ausrufung der Republik (1918), legte Hartloff seinen Schwerpunkt auf die Erinnerung an die Reichspogromnacht (1938), auch als Reichskristallnacht bekannt.

Er erinnerte an die Vernichtung sowohl ganzer Volksstämme und Gesellschaften, als auch die Vernichtung von Minderheiten wie homosexuellen und behinderten Menschen. Dabei stellte er schnell die Bezüge zu aktuellen Krisen und Verfolgungen her.

Der Landtagsabgeordnete berichtete von der aktuellen Einweihung eines Denkmals für die ermordeten Juden in Odenbach, einem kleinen Ort im Landkreis Kusel und von den bewegenden Erzählungen von Zeitzeugen, die z.T. aus Amerika angereist waren.

(weiterführender link? www.rheinpfalz.de/lokal/artikel/odenbach-dorfplatz-und-denkmal-fuer-die-ermordeten-juden-eingeweiht/)

Hartloff stellt die Notwendigkeit der Politik dar, sich in Zeiten von Flüchtlingskrise und Islamismus-Debatte klar gegen Aussagen wie die der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry „Es ist an der Zeit, dass das Völkische wieder normal wird“ zu positionieren. Dabei stellte er Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ als Messlatte in den Vordergrund.

Ferner betonte er, dass er sich als Vorsitzender des Ausschuss für Integration, Verbraucherschutz, Familie und Jugend intensiv beschäftige mit der Frage „Was kann man in der Prävention zu Radikalisierung tun?“

In verschiedenen Bereichen zeigte er auf, dass es bei der Politik mittlerweile immer mehr auf die „performance“ ankomme, betonte jedoch die Wichtigkeit, sich mit Themen inhaltlich auseinanderzusetzen.

Viele Themen wurden angesprochen, Kinderehe, Burkas, amerikanischer Wahlkampf, PEGIDA, NSU-Prozess…

Die Frage, ob Medien gezielt Ängste schüren und die Menschen verunsichern wollen, schätzte er persönlich so ein, dass dies nicht absichtlich geschehe, sondern schlichtweg damit zusammenhänge, dass sich schlechte Nachrichten besser verkaufen lassen als positive Meldungen, so dass es sich eher um „Sensationsheische“ als um gezielte Manipulation handele. Da soziale Netzwerke einen solchen Hype aufnähmen, käme es seiner Meinung nach zu Aufschaukelungsprozessen. Insgesamt äußerte er sich sehr kritisch gegenüber dem Fernsehprogramm, da Soaps Verhaltensweisen vorgäben, die zu Eindrucksverschiebungen führten. Er verwies dabei auf eine Studie, die den Krimi-Konsum in Relation zum Bedrohungsgefühl setzte und betonte die Notwendigkeit von öffentlich rechtlichem Fernsehen, bei dem Journalisten frei arbeiten können.

Jochen Hartloff warnte davor, die Extremisten und Populisten gewähren zu lassen und die von Ihnen ausgehende Gefahr zu unterschätzen Er beendete den Gedankenaustausch mit dem eindringlichen Appell an die Schülerinnen und Schüler:

„Politik muss dagegen arbeiten. Wenn es gesellschaftlich toleriert wird, wird es schwierig. Man muss Flagge zeigen. Demokratie ist die beste der Regierungsformen.“