16.03.2021
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Für seine Meinung ins Gefängnis gehen


Heimatgeschichte: Philipp Jakob Siebenpfeiffer ist der Namensgeber für das Gymnasium in Kusel – Für Frauenrechte eingetreten

Von Herwig Buntz

Seit 2015 ist das Gymnasium in Kusel nach Philipp Jakob Siebenpfeiffer benannt – einem Vorkämpfer für Pressefreiheit und Mitinitiator des Hambacher Festes 1832.

Der spätere Schriftsteller, Journalist und Verwaltungsjurist stammte aus dem badischen Lahr. Seine beiden Eltern starben, als er erst zehn Jahre alt war. Nach Abschluss der Volksschule begann er eine Ausbildung als Schreiber.

1809 erhielt er ein Stipendium und konnte in Freiburg Rechtswissenschaften studieren, was er mit der Promotion abschloss. Anschließend war er als Verwaltungsbeamter in der bayerisch-österreichischen Landesadministration für die territoriale Neuordnung nach dem Wiener Kongress zuständig. Er arbeitete an verschiedenen Dienstorten, bevor er 1818 bayerischer Landkommissar in Homburg wurde, was einem heutigen Landrat entsprach.

Von Armut geplagtWährend seiner Tätigkeit war Siebenpfeiffer immer wieder mit Armut und Arbeitslosigkeit konfrontiert, aber auch mit politischen Missständen. Sie resultierten oft aus den Sonderrechten der Pfalz aus napoleonischer Zeit, die der bayerische König Ludwig I. beseitigen wollte.

Als Sprachrohr für seine Kritik gründete Siebenpfeiffer 1830 die Zeitschrift „Rheinbayern“, die schon bald nach ihrem Erscheinen vom König verboten wurde. Er sollte nach Schwaben versetzt werden, entschloss sich aber, nach Zweibrücken und später nach Oggersheim zu ziehen. Hier gründete er wieder eine Zeitung und war maßgebend an der Entstehung des „Deutschen Press- und Vaterlandsverein“ beteiligt, der für die Freiheit der Presse kämpfte.

Der Höhepunkt in Siebenpfeiffers Leben war das „Konstitutionsfest“ auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt, zu dem er zusammen mit Johann Georg August Wirth (1789-1848) einlud. Das Fest mit etwa 30.000 Teilnehmern wurde zu einer eindrucksvollen Demonstration für die Freiheit und nationale Einheit in Deutschland.

In seiner Begrüßungsrede plädierte Siebenpfeiffer damals für Reformen, um „Deutschlands Wiedergeburt zu erwecken“, und zur Zusammenarbeit mit den Patrioten der Nachbarländer Polen und Frankreich. Er beendete seine Ansprache in Hambach mit den Worten: „Es lebe das freie, das einige Deutschland! Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland – Volkshoheit – Völkerbund hoch!“

In Landau vor GerichtAber die Demonstration gegen die autoritäre Regierung des bayerischen Königs blieb nicht ohne Folgen. Siebenpfeiffer und einigen anderen Festrednern wurde die „Aufreizung zum Umsturz“ vorgeworfen. Sie mussten sich im Juli 1833 vor einem Geschworenengericht in Landau verantworten, wurden dabei aber freigesprochen.

Doch Siebenpfeiffer und Wirth erhielten nicht die Freiheit, denn ein Zuchtpolizeigericht verurteilte sie im Anschluss wegen schwerer Beamtenbeleidigung zu zwei Jahren Haft. Im November 1833 konnte Siebenpfeiffer aus dem Gefängnis fliehen und lebte von da an im Schweizer Exil, wo er 1845 nach längerer Krankheit starb.

Siebenpfeiffer erfüllte alle Kriterien, die für einen Namenspatron des Kuseler Gymnasiums aufgestellt worden waren. Er war ein Kämpfer für die Menschen- und Bürgerrechte und für die Gleichheit der Frau, in der er „die Genossin des freien Bürgers“ sah. In seiner Hambacher Rede forderte er ein in Freiheit vereintes Europa und einen Bund der Völker.

Sein regionaler Bezug bestand darin, dass er als Homburger Landkommissar auch für den „Kanton Waldmohr“ zuständig war und damit für mehr als 20 Gemeinden, die heute zum Kreis Kusel gehören.

Zur Reform der Schulbildung veröffentlichte er mehrere Artikel, in denen er sich für die Renovierung und den Neubau von Schulen einsetzte. Sein oberstes Erziehungsziel war die Humanität, die alle körperlichen, geistigen und moralischen Fähigkeiten verband. Auch die frühe politische Bildung und eine daraus resultierende Verantwortung hielt er für notwendig.

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz)

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Westricher Rundschau - Nr. 99
Datum Dienstag, den 16. März 2021
Seite15