01.02.2021
Kategorie: Startseite, Presseschau
Von: eingestellt von S. Jaqui

„Stillstand ist nichts für mich“


KUSEL: Marco Schneider hat Hörsaal und Labor gegen den Klassensaal eingetauscht – Nun Schulleiter des Siebenpfeiffer-Gymnasiums

Von Sven Holler

Über Umwege kam Marco Schneider zum Lehrerberuf. Bereut habe er den Wechsel in den Klassenraum nicht. Im elften Jahr am Siebenpfeiffer-Gymnasium wird der studierte Informatiker das Ruder übernehmen. Den Kurs seiner Vorgängerin will der Etschberger beibehalten, wenngleich es in naher Zukunft einige Herausforderungen zu meistern gilt.

Die Zahl „42“ ist für einen Informatiker „eine spezielle Zahl“, sagt Marco Schneider. Im Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist sie die von einem Supercomputer berechnete Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. „Das ist schon etwas nerdig“, sagt Schneider und lacht. Dennoch ist die „42“ für den Etschberger ebenfalls von Bedeutung. Im Alter von – Sie ahnen es – 42 Jahren erreicht der Mathematik- und Informatiklehrer die nächste Stufe auf der Karriereleiter. Schneider wird Nachfolger von Angelika Gröneveld-Olthoff und Schulleiter des Kuseler Siebenpfeiffer-Gymnasiums.

Dabei schlug der Etschberger, der für die SPD im Gemeinderat seines Heimatortes und im Verbandsgemeinderat Kusel-Altenglan sitzt, zunächst einen anderen beruflichen Werdegang ein. Denn Schneider ist zunächst einmal studierter Informatiker, arbeitete nach seinem Abschluss an der Technischen Universität Kaiserslautern dort auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Ich hatte einen Promotionsplatz an der UC Davis (University of California, Anm. der Redaktion) und auch die Tickets für den Flug in die Staaten“, erinnert sich Schneider. Es kam anders: Seine Frau habe zu dem Zeitpunkt das erste Kind erwartet – Schneiders Töchter sind heute 14 und 16 Jahre alt und besuchen beide das Siebenpfeiffer-Gymnasium –, somit entschied er sich für eine andere Karriere.

Als Quereinsteiger absolvierte er sein Referendariat, „auf dem linken Arm die Tochter, mit dem rechten Unterrichtsentwürfe schreiben – das war schon spannend und schwierig“, arbeitete dann am Rittersberg-Gymnasium in Kaiserslautern, ehe es ihn 2010 ans Siebenpfeiffer-Gymnasium zog. Damals, betont er, seien Informatiklehrer eine Mangelerscheinung gewesen, „hier galt es für zwei Jahrgangsstufen ein neues Fach zu etablieren“, schildert er. Auch die Lernplattform Moodle sei unter seiner Regie am Siebenpfeiffer eingeführt worden – vor zehn Jahren.

Heute sieht Schneider das Gymnasium personell und technisch gut aufgestellt, obgleich man weiter mit der Zeit gehen müsse. Aber: „Mit einem gewissen Maß und Ziel. Man kann nicht die ganze Welt digitalisieren. In einer Schule arbeiten und lernen letztlich immer Menschen.“ Und die hätten unterschiedliche Präferenzen. Da gelte es die Balance zu finden zwischen Naturwissenschaften, musischen Fächern, Sport, Sprachen und anderen Angeboten.

Schneider will den von seiner Vorgängerin eingeschlagenen Weg weiter verfolgen. „Natürlich wird es die eine oder andere Anpassung geben. Stillstand ist ohnehin nichts für mich“, sagt Schneider, der zuletzt als stellvertretender Schulleiter aktiv war. Herausforderungen gebe es einige. Stichwort Gemeinsame Orientierungsstufe (GOS) mit der Realschule plus. Der gefundene Kompromiss sei ein Experiment, bei dem „man sehen muss, wie alles läuft und gegebenenfalls nachsteuern“.

Und dann ist da noch die Corona-Krise. Technisch habe man schnell reagiert, doch die Technik sei eben nicht alles. „Es gibt Kinder, die durch den pandemiebedingten Unterricht zu Hause besser durchkommen, andere brauchen das soziale Umfeld der Schule, um erfolgreich lernen zu können“, berichtet Schneider. Sobald ein „normaler“ Unterricht wieder möglich sein wird, werde das Kollegium verstärkt „die Sozialkompetenzen investieren müssen“, ist er überzeugt. Nach so langer Zeit vor dem heimischen Rechner müsse die Klassengemeinschaft wieder zusammenwachsen und auch unterschiedliche Wissensstände aufgearbeitet werden.

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz)

 

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Westricher Rundschau - Nr. 26
Datum Montag, den 1. Februar 2021
Seite11