27.06.2018
Kategorie: NaWi, Wettbewerbe, Startseite, Presseschau
Von: eingestellt von S. Jaqui

Mit Federschmuck und Glitzersteinchen


Porträt: Amelie Schönborn und Maja Render gewinnen mit ihrer Brücke dritten Preis im Bundeswettbewerb der Ingenieurkammern

Von Daniel Bonenberger

Kusel. „Es war tierisch toll, einfach gigantisch, bei der Siegerehrung da vorne zu stehen und den dritten Platz im Bundeswettbewerb zu gewinnen“, berichtet Amelie Schönborn, die gemeinsam mit Maja Render von der Realschule plus Kusel beim bundesweiten Wettbewerb „JuniorING“ der Ingenieurkammern erfolgreich war. Mit ihrem Brückenmodell „73 tubes bridge“ konnten die beiden Sechstklässlerinnen die Jury überzeugen.

Nachdem die beiden zwölfjährigen Schülerinnen bereits beim Landeswettbewerb in Mainz den ersten Platz hatten erringen können (wir berichteten), haben sie sich auch in Berlin mit ihrem Modell einer Fuß-und Radwegbrücke durchgesetzt: „Ich hätte nie damit gerechnet, es waren einfach so viele tolle Brücken am Start“, erklärt Maja Render im Gespräch mit der RHEINPFALZ.Ihr Favorit habe es bei dem Wettbewerb nur auf den sechsten Platz geschafft. Die Kriterien seien gar nicht so ohne gewesen, berichten die beiden Schülerinnen – denn die Brücke durfte lediglich aus Papier, Folie, Kleber, Schnur und Stecknadeln bestehen und musste ein Gewicht von einem Kilogramm aushalten: „Zuerst haben wir beide jeweils eine Skizze angefertigt, die wir später zusammengeführt haben“, berichtet Amelie Schönborn. Die Skizze anzufertigen und sich ein passendes Modell zu überlegen, sei dabei nicht die Schwierigkeit gewesen, erzählen die beiden, da sie viel reisen würden und schon einige Brücken in ihrem Leben gesehen hätten. Ihre Brücke sei aber eine Vereinigung vieler Modelle, berichten sie stolz: „Sie sieht irgendwie aus wie eine Pyramide ohne Dach“, erklärt Render lachend.

Am aufwendigsten und gleichzeitig am kniffligsten sei das Anfertigen der 73 Papierrohre gewesen, aus denen das Modell besteht: „Wir haben ganz viel Papier um eine Eisenstange gewickelt, die am Ende wieder herausgezogen wurde. Dabei ist ständig das Papier gerissen, oder es war einfach zu locker.“

Dabei ist Amelie Schönborn häufiger in Panik geraten und hat gezweifelt, ob das Projekt gelingen kann, wie sie erzählt. Nach kurzer Pause haben sich die beiden aber mit kühlem Kopf wieder an die Arbeit gemacht.

Eine weitere Schwierigkeit sei gewesen, die Rohre mit Fäden und Stricknadeln miteinander zu verbinden, auch das habe einige Zeit in Anspruch genommen. Insgesamt haben die beiden Zwölfjährigen an vier Tagen rund 15 Stunden ihrer Freizeit für das Modell geopfert. Am Ende hat sich der Fleiß allerdings ausgezahlt. Eine persönliche Note bekam die Brücke mit Federschmuck in türkis und Glitzersteinchen dann auch noch.

Getreu dem Motto „Brücken verbinden“ hat das Projekt die beiden Freundinnen noch enger zusammengeschweißt: „Wir waren vorher schon beste Freundinnen, das Projekt hat uns aber einander noch nähergebracht. Nächstes Jahr wollen wir wieder gemeinsam antreten“, erklären die beiden Jungingenieurinnen unisono.

Im kommenden Jahr werden Modelle einer Achterbahn für den Wettbewerb verlangt, das werde noch schwieriger werden, sind sich die beiden sicher. Aber mit einem dritten Platz im Rücken wollen sie selbstbewusst erneut ins Rennen gehen.

Dass sie in diesem Jahr überhaupt eine Chance haben würden, das hatten beide nicht zu träumen gewagt. Vor der Fahrt nach Berlin, bei der sie von Amelies Eltern begleitet wurden, wussten sie auch noch nicht, wie sie abgeschnitten haben: „Es war unheimlich aufregend, als wir wieder und wieder nicht aufgerufen wurden“, erklärt Schönborn, die Platzierungen seien nämlich von hinten nach vorne genannt worden. Als es dann um die ersten drei Plätze ging und sie immer noch im Rennen waren, sei die Freude riesengroß gewesen. Die Erfahrung wollen die beiden Freundinnen nicht missen, und auch der übrige Aufenthalt in Berlin sei ein tolles Erlebnis gewesen: „Wir haben das Brandenburger Tor gesehen, den Reichstag besucht und eine Fahrt zum Fernsehturm gemacht. Berlin ist eine tolle Stadt“, betont Amelie Schönborn. Deshalb hoffen die beiden Schülerinnen, im kommenden Jahr wieder zum Bundesfinale nach Berlin fahren zu dürfen.

Aber auch sonst haben die beiden Sechstklässlerinnen allerhand zu tun in ihrer Freizeit. Schönborn, die aus Brücken kommt, spielt für ihr Leben gerne Cello, ist im Rope-Skipping-Verein und spielt Tennis. Auch in diesen Disziplinen habe sie bereits Wettkampferfahrung gesammelt: „Der Wille zu siegen und die Aufregung beim Wettbewerb sind ja immer gleich“, betont die Schülerin selbstbewusst. Dieser Wettkampf habe sie sogar in ihrem Berufswunsch bestärkt, ihrem Vater nachzueifern – der ist nämlich Architekt.

Sportlich sehr aktiv ist auch Maja Render, die aus Steinbach stammt: „Ich tanze und turne sehr viel im Verein, Sport macht mir sehr viel Spaß.“ Außerdem habe sie eine Leidenschaft fürs Basteln, was sie in ihrer Freizeit sehr häufig auslebe: „Ich bastele immer sehr viele Geburtstagsgeschenke und hab auch mal eine richtige Discokugel gemacht.“

Nach dem stressigen Schuljahr und der guten Platzierung im Bundesfinale freuen sich die beiden Freundinnen nun aber erstmal auf die Sommerferien, in denen sie das gewonnene Preisgeld von 550 Euro gemeinsam auf den Kopf hauen wollen: „Wahrscheinlich werden wir uns in den Ferien zusammen einen schönen Tag gönnen und eine Shopping-Tour machen“ – so wie sich das für beste Freundinnen eben gehört.

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz)

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Westricher Rundschau - Nr. 146
Datum Mittwoch, den 27. Juni 2018
Seite 17