09.06.2018
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Von: eingestellt von S. Jaqui

Sportliche Nachtschichten für Afrika


Kusel: „Lebenslauf“ zur Unterstützung eines Projekts in Burundi – Marathonläufer Andreas Hesch beteiligt sich mit über 80 Kilometern

Von Philipp Jung

 
Normalerweise sind Tartanbahnen nachts leer. Nicht so in Kusel: Indem sämtliche Schüler des Siebenpfeiffer-Gymnasiums sportliche Nacht- und Tagschichten hinter dem Schulhaus einlegten, unterstützten sie die Welthungerhilfe. Und die wiederum unterstützt ein Projekt in Afrika.

„Ich habe gerade einmal zwei Stunden geschlafen“, sagt Alina Omlor, die am Siebenpfeiffer-Gymnasium einen Sport-Leistungskurs belegt, gestern Morgen im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Besser als gar nichts“, fügt sie lachend hinzu. Omlor ist eine der Hartgesottenen, die sich auch zu völlig unchristlichen Zeiten sportlich betätigen können: „Gestern Abend um 18.30 Uhr habe ich angefangen – und dann immer wieder kleinere Pausen eingelegt. Um 4.30 Uhr heute Morgen lag ich im Bett.“Am Donnerstag um 17.30 Uhr startete der 24 Stunden dauernde „Lebenslauf“. Dieser zählt zu der sogenannten Fairplay-Tour, die nebenbei auch noch eine Radtour über 800 Kilometer durch Deutschland, Belgien, Luxemburg und Frankreich umfasst. Auch andere Schulen nehmen an diesem Projekt teil. „Den Lauf in dieser Form gab es bei uns schon einmal 1998 – also vor genau 20 Jahren“, verrät Karl Trossen-Wanninger, Sportlehrer am Siebenpfeiffer-Gymnasium und Organisator der Veranstaltung. „Und wir sind in den vergangenen Jahren im Rahmen dieses Projekts auch schon zweimal 24 Stunden lang Rad gefahren – also auf Laufrädern in unserer Sporthalle.“

Bei dem Lauf im Jahr 1998 wurde Ruanda unterstützt, dieses Mal ist es der ostafrikanische Staat Burundi. Dort soll eine Grundschule saniert werden, die sich in einem sehr schlechten Zustand befindet. Die afrikanischen Schüler haben nicht ausreichend Toiletten zur Verfügung und müssen während des Unterrichts teilweise auf dem Boden sitzen. Die Spenden, die sich aus dem Lauf ergeben, fließen an die Hilfsorganisation Welthungerhilfe, unter deren Leitung sich das Bauprojekt befindet. Die Eltern der Schüler können entscheiden, ob sie einen gewissen Betrag pro absolviertem Kilometer spenden wollen – oder einfach einen Festbetrag.

„Das Ziel ist eigentlich, dass insgesamt 9000 Kilometer zusammenkommen, wenn man die gelaufenen Strecken aller Teilnehmer addiert“, erklärt Trossen-Wanninger. „Das wird allerdings knapp: Heute Morgen um 5.30 Uhr standen wir bei 2600 Kilometern.“ Gegen 9.30 Uhr sind es dann immerhin schon mehr als 4000, um 11.30 Uhr 6000 Kilometer. Damit auch jede einzelne Runde erfasst wird, tragen alle Teilnehmer einen Chip in ihrer Startnummer, der auf eine Kontaktschwelle reagiert, die sich unter einem Torbogen befindet. Dieser Bogen ist Start und Ziel – und wird nach jeder abgeschlossenen Runde passiert.

Die Laufbahn hinter dem Schulgebäude wurde in der Vorbereitung provisorisch von 200 auf 350 Meter erweitert, führt daher auch ein Stück über die Wiese. In den ersten beiden Schulstunden am Freitagmorgen herrscht dort großes Gedränge. Nicht alle joggen, manche gehen auch: Doch auch jeder gegangene Kilometer fließt in die Wertung ein. Aus zwei Boxen dröhnen unterdessen Charttitel und Tanzmusik, was die Freude an der Bewegung fördert. Außerdem können die Schüler und Lehrer immer wieder pausieren und aus großen Fässern Tee in verschiedenen Geschmacksrichtungen schöpfen.

„Manche Läufer sind gar nicht mehr zu bremsen“, sagt Trossen-Wanninger mit Blick auf das Geschehen. „Die würden am liebsten den ganzen Tag durchlaufen.“ Doch wer in den Unterricht muss, muss in den Unterricht: „Es sei denn, der jeweilige Lehrer entscheidet, dass stattdessen gelaufen wird“, bemerkt der Organisator. Auf einer Anzeigetafel direkt neben der Laufbahn kann man einsehen, welcher Teilnehmer wie viele Runden absolviert hat. Und da gibt es welche, die bewältigen mehr als eine Marathonstrecke: Leon Altherr aus der Klasse 9b steht am Freitagmittag bei sage und schreibe 157 Runden, also bei rund 55 Kilometern. Auch er ist in der Nacht zuvor gelaufen. „Körperlich geht es mir aber gut“, wendet er ein. „Ich laufe auch privat – nur eben nicht in diesem Umfang.“

Und dann ist da noch der Mann, der für einen guten Zweck an 42 Tagen 42 Marathons läuft: Andreas Hesch. In Kusel bestreitet er den dritt- und den vorletzten Lauf zugunsten des Kinderhospizes Kaiserslautern. Am Mittwoch schon war er in Wolfstein gestartet, unterstützt vom Skiclub Königsland, den „Rowos“ und KOB. „Kleinere Problemchen in der Sehnenmuskulatur machen sich bemerkbar“, sagt er ein paar Minuten vor dem Start von Lauf Nummer 41, „doch die restlichen 84 Kilometer dieser Aktion schaffe ich jetzt auch noch.“

Herzlichen Dank an Frau Feuchtner für die Fotos!

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz)

 

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Westricher Rundschau - Nr. 131
Datum Samstag, den 9. Juni 2018
Seite 16