16.03.2019
Kategorie: Presseschau, Startseite, Schülervertretung
Von: eingestellt von S. Jaqui

„Streik soll ja auch weh tun“


Kusel/Kaiserslautern: Mit selbstgebastelten Plakaten und Bannern sind rund 70 Schüler des Siebenpfeiffer-Gymnasiums gestern nach Kaiserslautern gefahren, um an einer „Fridays for Future“-Demonstration teilzunehmen. Obwohl die Aktion in der Schulzeit stattfand, müssen die Schüler keine Konsequenzen befürchten.

Von Dennis Bachmann

 
Die Freitagsaktionen, ausgelöst von den Protesten der 16-jährigen schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, gehen seit Wochen durch sämtliche Medien. Gestern fand eine Demonstration in Kaiserslautern statt. Auch Schüler aus Kusel waren mit dabei. Die Idee dazu hatte die Schülerin Clara Seyler. „Das ist bei mir schon eine Erziehungssache. Meine Eltern achten sehr auf die Umwelt, und wir versuchen zu Hause zum Beispiel den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten, indem wir elektrische Geräte, die gerade nicht genutzt werden, auch tatsächlich aus, und nicht nur auf Standby schalten. Außerdem kommen bei uns viele Lebensmittel aus dem eigenen Garten auf den Tisch“, erklärt Seyler ihre Beweggründe.Die 17-Jährige besucht die zwölfte Klasse des Kuseler Siebenpfeiffer-Gymnasiums. Sie habe die mediale Berichterstattung über Greta Thunberg verfolgt, den Ausschlag habe ein Fernsehbericht gegeben, den sie in den Ferien gesehen hatte. „Nach den Ferien habe ich dann bei Mitschülern mal rumgefragt, wer mitmachen würde, und es haben sich sofort viele gefunden, die sich ebenfalls beteiligen wollten“, berichtet die engagierte Schülerin.

Für Zukunft kämpfenMeinungen, wie die des FDP-Politikers Christian Lindner, der sagte, die Schüler sollten den Klimaschutz lieber den Profis überlassen, kann Seyler überhaupt nicht nachvollziehen. „Das halte ich für absoluten Quatsch. Jeder kann doch etwas für den Klimaschutz tun. Wir Jugendliche haben genauso die Möglichkeit, uns zu informieren, und das Recht, für unsere Zukunft zu kämpfen“, sagt die Schülerin bestimmt.Von ihrer Schule werden die Schüler dabei sogar unterstützt – obwohl die Aktion in die Schulzeit fällt. „Das komplette achtköpfige Schulleitungsteam steht hinter der Aktion. Wir freuen uns über das Engagement und unterstützen die Schüler gerne. Ich bin wirklich froh, dass wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben, damit die Schüler teilnehmen können“, sagt Schulleiterin Angelika Gröneveld-Olthoff. Sie habe nicht das Gefühl, dass die Schüler „einfach nur abhauen wollen, um einen freien Tag zu haben“. Seyler fügt hinzu: „Und ein Streik soll ja auch ein bisschen weh tun. Wir bekommen so natürlich mehr Aufmerksamkeit, als wenn wir außerhalb der Schulzeit demonstrieren würden.“ Konsequenzen müssen die streikenden Schüler nicht befürchten.

Lehrer sind teils kritischAllerdings gebe es auch im Kollegium Lehrer, die die Aktion nicht gutheißen. „Diese Meinung muss man den Kollegen lassen – auch wenn meine Meinung eine ganz andere ist“, sagt die Schulleiterin. „Ich habe deshalb aber gestern noch eine Mitteilung verfasst, dass einige Schüler ab 10 Uhr die Schule verlassen und dass es im Ermessen des jeweiligen Lehrers liegt, ob er das entschuldigt oder nicht“, sagt Gröneveld-Olthoff. „Wenn ein Lehrer die Fehlstunden nicht entschuldigen will, sollen die Schüler zu mir kommen, dann regeln wir das“, verspricht die Schulleiterin. Seyler ergänzt: „Viele Lehrer unterstützen uns aber. Ich darf zum Beispiel noch einen Test vorschreiben, den ich sonst verpassen würde – das ist ja auch nicht selbstverständlich.“

Anwesenheit kontrolliertTeilnehmen können aber nicht alle Schüler. „Mitfahren dürfen Schüler ab der zehnten Klasse – und ein paar Ausnahmen aus der neunten Klassenstufe“, berichtet Seyler. Rund 70 von ungefähr 300 seien es, die an der Aktion teilnehmen. „Es gibt auch einige Schüler, die die Aktion nicht gut finden“, gesteht sie ein. „Da geht es aber eher darum, dass man Unterricht verpasst, und nicht um die Botschaft der Aktion“, relativiert die 17-Jährige.Und die Schüler haben sich selbst etwas einfallen lassen, damit auch wirklich keiner die Zeit für einen netten Einkaufsbummel in Kaiserslautern nutzt. Für jede Klassenstufe gibt es zwei Ansprechpartner, bei denen sich die Schüler selbstständig melden müssen. „Als bekannt wurde, dass die Anwesenheit tatsächlich kontrolliert wird, ist die ursprünglich angemeldete Teilnehmerzahl aber doch noch einmal gesunken“, erklärt Seyler mit einem Schmunzeln. „Aber lieber 70, die voll dahinter stehen, als 300, von denen die meisten nur mitgehen, um frei zu haben.“

(eingestellt mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz)

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Westricher Rundschau - Nr. 64
Datum Samstag, den 16. März 2019
Seite 15