15.11.2018
Kategorie: Religion und Ethik, Startseite, Presseschau
Von: eingestellt von S. Jaqui

80 Jahre Reichspogromnacht


Würdevolle Gedenkveranstaltung in der Stadtkirche

Von Horst Cloß

 
Kusel. Auch in Kusel wurden jüdische Mitbürger nach Ergreifung der Nationalsozialisten Verfolgungen, körperlichen und seelischen Verletzungen und letztlich Deportation in Konzentrationslager bis zum Tod zugefügt. Sie begannen mit der Reichspogrom-Nacht am 10. November 1938 und dauerten bis zum Ende des 2. Weltkrieges an. An dieses Unrecht zu erinnern, hat sich die evangelische Kirchengemeinde Kusel zur 80. Wiederkehr dieses schrecklichen Ereignisses zu einer Gedenkfeier in der Stadtkirche entschlossen. Und dazu durften Christian von Steinaecker und Dekan Lars Stetzenbach eine unerwartet große Zahl an Besuchern begrüßen.
Mit der „Andante religioso“ aus der 4. Orgelsonate von Felix Mendelssohn Bartholdy wurde die Feierstunde eröffnet. Im Wechselspiel zwischen Lars Stetzenbach, Christian von Steinaecker und Pfarrerin Isabell Aulenbacher erfolgte die Einführung in das komplexe Thema der Judenverfolgung.

Angefangen vom Brand der Synagogen, der Beschädigung und Plünderung jüdischer Geschäfte und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung führten sie in die Geschehnisse ein. Auch die Rolle der Kirchen wurde dabei nicht ausgespart.
Und wie sieht es heute aus? Diese Frage stellte dann Christian von Steinaecker, indem er auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen Bezug nahm, wie sich verbreitender Nationalismus, Rechtspopulismus und rechtes Gedankengut.
Nach einem weiteren Musikstück von Felix Mendelssohn Bartholdy vertiefte der Historiker Roland Paul in seinem Beitrag die Geschehnisse im dritten Reich anhand von Beispielen ehemaliger jüdischer Mitbürger in Kusel, die zum Teil auswanderten, einige aber auch aus ideologischem Wahn heraus getötet wurden.
Sehr anschaulich brachten Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Siebenpfeiffer-Gymnasiums in Kusel mit ihrem Religionslehrer Ulrich Reh die Ereignisse auf den Punkt, indem sie die Leiden von in und um Kusel wohnenden Juden lebendig werden ließen. Außerdem erwähnten sie die Namen der betroffenen Kuseler Juden und steckten jedem Opfer eine Rose.
In einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Wolfgang Pfeiffer stellten die Landtagsabgeordneten Andreas Hartenfels, Jochen Hartloff und Marlies Kohnle-Gros zusammen mit Dekan Lars Stetzenbach und Stadtbürgermeisterin Ulrike Nagel ihre Sicht zu den damaligen Ereignissen dar und stellten klar, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen dürften. Die Demokratie müsse sich mit aller Kraft gegen Bestrebungen wehren. Zu Fragen, wie Populismus bekämpft werden kann, gab es unterschiedliche Auslegungen. einig waren sie sich im Ziel, wonach der Rechtsstaat alle legitimen Mitteil einsetzen solle.

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Wochenblattes)

Quelle

Ausgabe SÜWE - Wochenblatt Kusel - Nr. 177
Datum Donnerstag, den 15. November 2018
Seite 40