12.07.2015
Kategorie: Startseite, Presseschau

Eine geploppte Nationalhymne


Artikel erschienen in Westricher Rundschau am 10.7.2015

 

Kusel: Gymnasium feiert schwungvoll die Benennung nach Johann Jakob Siebenpfeiffer – Ministerpräsidentin begeistert

 

Weltoffen, vergangenheitsbewusst, kurzweilig, schwungvoll – so hat das Gymnasium Kusel seine Namensgebung gefeiert. Seit gestern heißt es offiziell Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel; nach dem Mitinitiator des Hambacher Festes. Ein Name, der nicht nur Ministerpräsidentin Malu Dreyer glücklich machte, wie sie gestern bekundete.

Schüler und Lehrer taten das Ihre, um auch die offizielle Eröffnung ganz ins Zeichen der Werte zu stellen, für die Siebenpfeiffer steht – für Demokratie, Freiheit und Frieden. Und sie lieferten so manche Überraschung beim erfreulich kurzen Festakt, der eingebettet war in ein Schulfest. Ein demokratisches Pfeif-Medley, in das unter anderem die Nationalhymne eingebettet war und bei dem die Melodie durch ploppende Reagenzgläser erzeugt wird? Auf diese wunderbare Idee muss man erst einmal kommen. Oder nicht nur Schulchor und -solisten, sondern die gesamten rund 200 Gäste die fünf Strophen von „Die Gedanken sind frei“ singen zu lassen – die meisten machten mit.So ein wenig schimmerte allerdings bei der Begrüßung durch Schulleiterin Angelika Gröneveld-Olthoff der Stress durch, den die Namensfindung Anfang des Jahres ausgelöst hatte (wir berichteten). Jetzt sei die Geburtsstunde des neuen Namens, sagte sie, und wie jeder Geburt seien auch dieser Wehen vorausgegangen. Allerdings vergesse man das und die Strapazen wieder, wenn nach der Geburt das Glücksgefühl einsetze.

Landrat Winfried Hirschberger als Repräsentant des Schulträgers Landkreis übergab nicht nur die offizielle Urkunde für das Siebenpfeiffer-Gymnasium („Ich bin froh, dass die Schule diesen Namen gewählt hat“) – er schilderte auch Stationen des Namensgebers, der vor allem durch seine Beteiligung am Hambacher Fest 1832 in die Geschichte eingegangen ist. Dass sich das Gymnasium den Namen eines Mannes gebe, der für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde gekämpft habe, passe in die Zeit. Denn die Welt sei in Unordnung geraten, 60 Millionen Menschen seien auf der Flucht vor Krieg und Elend, und viele suchten auch hier Schutz und seien auf Offenheit angewiesen. „Das Gymnasium verhält sich hier vorbildlich.“

 

Das sieht auch Ministerpräsidentin Dreyer („Ich bin begeistert“) so, die unter anderem die Aktion des Gymnasiums lobte, mit Schülern in die künftige Flüchtlingsunterkunft zu gehen. Einen Schulnamen zu wählen, der für Toleranz und Miteinander, aber gegen Rassismus stehe, sei toll. Man müsse den Flüchtlingen helfen. Nicht nur die Älteren (Dreyer: „Zu denen auch ich gehöre“) müssten sich dabei der besonderen Verantwortung der Deutschen bewusst sein, sondern gerade auch die Jungen. Das Kuseler Gymnasium leiste hier sehr gute (Bildungs-)Arbeit und trage nun auch einen bedeutenden Namen. Dreyer: „Danke für Ihr Engagement.“

 

Auch beim Schulfest zur Namensgebung stand der Gedanke der Weltoffenheit im Mittelpunkt. So gab es unter anderem ein „Fußball-Länderspiel“ Kamerun gegen Deutschland, bei dem eine Mannschaft aus Studenten der Uni Kaiserslautern aus dem afrikanischen Staat gegen eine Schulauswahl antraten. Ergebnis? Nebensache.

 

Zwar weist derzeit noch nichts auf dem Schulgelände auf den neuen Namen hin – Gröneveld-Olthoff: „Da müssen wir uns noch Gedanken machen.“ Ein neues Logo hat das Gymnasium aber schon, entstanden in einem von Michael Seyl organisierten Wettbewerb in verschiedenen Kunstklassen. Unter Dutzenden Entwürfen fand jener am meisten Gefallen, den die Zwölfklässlerinnen Katrin Jung, Talisa und Alina Klinck und Johanna Regner gefertigt haben: die Buchstaben SGK für Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel in Rot, Blau und Grün und ineinander übergehend. (wop)