12.09.2019
Kategorie: Informatik, Presseschau, Startseite
Von: eingestellt von S. Jaqui

Wie menschlich ist die Maschine?


Kusel: Wie Menschen denken, das sollen auch Maschinen lernen. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) wird fortwährend nach Einsatzmöglichkeiten geforscht. Welche Chancen sich damit eröffnen, dem gingen gestern Schüler des Siebenpfeiffer-Gymnasiums nach. Der Turing-Bus war zu Besuch.

Von Richelle Paulus

 
Google-Suchanfragen werden an den Nutzer angepasst, „Siri“ organisiert den Kalender und der Kühlschrank kauft ein, bevor der Mensch überhaupt bemerkt hat, was fehlt – Künstliche Intelligenz ist schon längst Teil unseres Alltags. Aber wie funktioniert Künstliche Intelligenz überhaupt? Was bringt sie uns – und welche Gefahren birgt die Nutzung? Mit diesen und weiteren Fragen setzten sich gestern 30 Schüler des Informatik-Leistungskurses am Siebenpfeiffer-Gymnasium auseinander.

Unterstützung erhielten sie dabei von einem Informatiker-Team, dass im Turing-Bus durch Regionen außerhalb der großen Ballungszentren tourt und in Kusel Station machte. Der Turingbus ist nach dem Computerpionier Alan Turing benannt. Er war der Meinung, dass Computer schließlich den Menschen ersetzen können. Ziel ist es, Grundlagen der Informatik und die gesellschaftlichen Konsequenzen der Digitalisierung zu vermitteln und zu diskutieren. Das mobile Bildungsangebot der Gesellschaft für Informatik und der Open Knowlege Foundation Deutschland im Wissenschaftsjahr 2019 unterwegs.

KI in der Schule kein Thema Künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit einer speziellen Form von Algorithmen befasst. Ein Algorithmus ist eine Abfolge von Schritten, vergleichbar mit einem Kochrezept.

In zwei Workshops beschäftigten sich die Schüler mit dem Thema. Maximilian Voigt erforscht zusammen mit einigen Informatikern die Frage, wie ein Datensatz entsteht und was das mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat. Dabei geht es um kleinste Computer und Sensoren, die beispielsweise in Smart Homes verbaut werden. Das Interesse bei den Schülern ist groß, vor allem, da das Thema Künstliche Intelligenz nicht auf dem Lehrplan steht. Tim Völker hat, wie er erzählte, einen der Einplatinencomputer Zuhause, um die es auch in dem Workshop geht. „Ich will die besser verstehen und finde es gut, dass diese Workshops stattfinden“, meinte er, und seine Freunde sehen das genauso.

Die Schüler machten sich ans Programmieren. Künstliche Intelligenz werde die Zukunft der Schüler maßgeblich beeinflussen, meinen die Experten, und im Rahmen des Programms werde sie auch durchaus kritisch hinterfragt.

Mensch oder Maschine?Die Informatik-Schüler im zweiten Workshop fragten sich indes: Sitzt im Nebenraum ein Mensch oder eine Maschine? Mit dem sogenannten Turing-Test wollten sie das zusammen mit Andrea Knaut und ihrem Kollegen Nikolas Becker herausfinden. Danach machten sie sich daran, selbst einen Chatbot zu programmieren.

Auf verschiedene Fragen erhielten sie jeweils eine von der KI generierte und eine von einem Mitschüler gegebene Antwort. Welche Antwort kommt von wem? Die erste Frage, die die Informatiker stellten: „Was hälst du von Atomwaffen?“ Computer und Mensch antworteten: „Atomwaffen sind sehr gefährlich und sollten nicht eingesetzt werden“ und „Atomwaffen sind sehr wirkungsvoll.“ Einige Schüler wollten bereits jetzt wissen, welche Antwort von einem Algorithmus erschaffen wurde, andere blieben zurückhaltend. Weiter ging es mit Matheaufgaben und der Frage, ob sie gerne Videospiele spielen. Die Schüler waren sich letztendlich ziemlich sicher: Die Maschine rechnet sehr genau und gibt klare, ausformulierte Antworten. Der ein oder andere war trotzdem überrascht, dass die KI Atomwaffen als gefährlich einstufte und von der Nutzung abriet, während ihr Mitschüler sie lediglich als „wirkungsvoll“ beschrieb.

Imitation des MenschenDoch wo liegt überhaupt der Sinn darin, einen Computer menschlich zu programmieren? Knaut erklärt, die Programmierer wollten so ein gutes Gefühl erzeugen. „Die Antworten von Alexa sind gar nicht immer richtig“, sagt die Informatikerin und bezieht sich dabei auf den Sprachassistenten von Amazon. Einige Antworten seien absichtlich falsch, um die Maschine menschlicher zu machen und die eigenen Ängste abzubauen. Angst wovor? Dass der Computer schlauer ist als der Mensch, der ihn nutzt?

Dass ein Computer den Menschen perfekt imitieren kann, daran zweifelten die Schüler noch. Sie zeigten sich aber beeindruckt, was bereits möglich ist.

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz)

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Westricher Rundschau - Nr. 212
Datum Donnerstag, den 12. September 2019
Seite 16