26.05.2015
Kategorie: Startseite, Anti-Rassismus-AG, Presseschau
Von: E. Fauss | eingestellt v. M. Uhl

Musik und Texte aus einem Guss


Artikel erschienen in Westricher Rundschau Nr. 118

 

Ein Konzert für Toleranz mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano und Band

 

Von Eric Fauss

 

„Alle Anwesenden haben ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt“ lautete das Fazit von Schüler Thomas Meisner am Donnerstagabend beim Konzert mit der Rapband Microphone Mafia und Esther Bejarano in der Kuseler Fritz-Wunderlich-Halle. Der Titel des vom Gymnasium Kusel und der Realschule plus organisierten Konzerts lautete „Rap gegen rechts! Für Toleranz“. Anlass war die Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Diktatur vor 70 Jahren.

Bevor die Band spielte, schilderte die 90-jährige Esther Bejarano, die 2012 das große Bundesverdienstkreuz für ihren Kampf gegen Rechtsextremismus erhielt, ihre Erlebnisse in verschiedenen Konzentrationslagern (KZ). Sie berichtete über menschenunwürdige Lebensbedingungen und grausame Taten, die sie miterlebte. Da sie Klavier sowie Blockflöte spielen konnte, musste sie fortan im Konzentrationslager Auschwitz für die Lagerführung musizieren. „Ich wäre elendig zugrunde gegangen, wenn ich nicht im Orchester aufgenommen worden wäre“, sagte sie anschließend. Später wurde sie ins KZ Ravensbrück deportiert, in welchem sie zwei Jahre arbeitete.Als die Konzentrationslager beim Anrücken der Sowjet-Armee geräumt wurden, gelang ihr schließlich die Flucht. Als einen Moment, den sie nie vergessen wird, beschreibt sie, dass sie auf einem Marktplatz spielte, als Amerikaner und Russen ein Bild von Adolf Hitler verbrannten. Die eindrucksvollen Schilderung ergriff alle Anwesenden.

Nach der herzergreifenden Geschichte begann die Rap-Band, welche aus Esther Bejarano selbst, dem Sänger Kutlo Yurtseven und dem Bassisten Joram Bejarano, ihrem Sohn, bestand. Die 1990 gegründete Band traf durch ein Erinnerungsprojekt auf Esther Bejarano. Ziel war es, die Aufklärung von Jugendlichen zu modernisieren und Bejarano war sich sicher, dass sie mit der Microphone Mafia die Jugend erreichen würde. So entstand ein außergewöhnliches Arrangement zwischen den Generationen, um gegen den Rassismus zu kämpfen.

 

Die politischen und sozialkritischen Lieder der Band handeln von Frieden und Toleranz. Doch nicht nur die Texte, sondern auch die Musik konnte durchaus gefallen und motivierte das Publikum das ein oder andere Mal zum mitsingen und mitklatschen. Die Lieder sind zudem in verschiedenen Sprachen geschrieben. Da die Bandmitglieder aus unterschiedlichen Ländern stammen und unterschiedlichen Religionen angehören, nutzen sie mehrere Sprachen, um eine Verbindung zwischen den Kulturen aufzubauen. Bei allen Liedern sang Esther Bejarano mit. So wurde ein Programm erstellt, welches moderne Lieder der Band, aber auch jüdische und andere Volkslieder enthielt. Zwischen den Liedern schilderte Kutlo Yurtseven verschiedene rechtsextreme Ereignisse, um zu zeigen wie real Rassismus noch immer ist. Der Appell der Musiker war klar: Aufeinander zugehen und Berührungspunkte schaffen, um den Kampf gegen Rassismus zu gewinnen.

 

Die Anwesenden zollten der Band, aber vor allem Esther Bejarano nach dem Konzert sehr viel Applaus und Respekt. Werner Dein, Lehrer der Realschule und einer der Hauptverantwortlichen, war sehr zufrieden mit der Veranstaltung und erfreut über die Anwesenheit vieler Schüler. „Es war sehr beeindruckend und einzigartig und ein nachhaltiges Zeichen gegen rechts“, sagte Angelika Gröneveld-Olthoff, Schulleiterin des Gymnasiums, die das Konzert für ihre Schüler zur Pflichtveranstaltung erklärt hatte. „Die Mischung von alten Lieder und Rap war sehr gut“, urteilte die Schülersprecherin des Gymnasiums Anke Nagel. Die Geschichte von Esther Bejanaro sei „bewegend“ und „ergreifend“.