10.01.2020
Kategorie: Biologie
Von: Karl Trossen-Wanninger/eingestellt von S. Jaqui

Ökologische Bewertung von Fließgewässern


Untersuchtes Objekt: Kuselbach

Abschnitt/Probestelle: 49o32‘31´´N / 7o26´11´´O (Kläranlage Kusel)

Datum: 10.09.2019  Uhrzeit: 10.20 Uhr  Wetter: sonnig, leicht bewölkt, 13oC (Wasser 13oC)

Untersucher*innen: MSS 12 Bio-LK I + II (Fr. Theiß; Hr. Trossen-Wanninger)

A. Hydromorphologische Komponenten

Parameter 1: Nutzung der Aue Die Aue des Kuselbachs ist links und rechts von unterschiedlichen Landschaftsbildern geprägt. In Fließrichtung links ist die Böschung durch große Steine teilweise befestigt. In einem ca. 10m langen Abschnitt ab dem Gewässerrand liegt ein ungemähter Bereich vor, dahinter befindet sich jedoch gemähte Wiese. Des Weiteren ist oberhalb des Kuselbachs eine vielbefahrene Straße angelegt, die durch das Industriegebiet führt. In Fließrichtung rechts ist die Böschung durch große Steine befestigt. Dies ist notwendig, da sich ca. 20m oberhalb des Gewässers Bahngleise befinden, die regelmäßig befahren werden. In einem Bereich von ungefähr 15m befindet sich ähnlich wie auf der linken Seite auch eine ungemähte Grünfläche. Hinter den Schienen wird zudem Weidenutzung betrieben, das Gebiet ist somit von landwirtschaftlichem Betrieb geprägt.
Note: 5 → ökologisch unverträglich aufgrund des Industriegebietes und der Bahngleise
Parameter 2: Gewässerrandstreifen Das Ufer des Kuselbachs ist sowohl links als auch rechts mit großen Steinen befestigt, die teilweise mit Moos überzogen sind. Hinter den Steinen befinden sich standorttypische Pflanzen und Bäume, die jedoch durch regelmäßige Mäharbeiten entfernt werden. Uferabbrüche sind nicht vorzufinden.  Fazit: Eine Nutzung des Gewässerrandstreifens durch den Menschen liegt hier zwar nicht vor, jedoch wurde das Ufer durch Menschen mit den großen Steinen verändert und begradigt und ist somit nicht mehr naturbelassen.

Note: Ich bewerte den Gewässerrandstreifen deshalb mit der Note 5, da an der Untersuchungsstelle kein naturbelassener Gewässerrandstreifen vorzufinden ist.

Parameter 3: Gewässerverlauf Der Kuselbach liegt in einem Flachlandgebiet, aber in einem schmalen Tal, wodurch keine Ausbildung von Schleifen oder Mäandern möglich ist. Der Gewässerverlauf des Kuselbachs ist sehr stark begradigt, dennoch befindet sich die eine oder andere Schleife in dem Gewässerverlauf. Der Kuselbach verläuft parallel zu der Straße und ist mit Steinen am Rand befestigt. In dem Gewässerverlauf selbst führen vereinzelte Steine zu unterschiedlichen Strömungszonen (Still- und Schnellwasserzonen). 
Note: Dem Gewässerverlauf gebe ich die Note 4, da der Verlauf überwiegend begradigt ist, aber dennoch leicht gekrümmt. Durch die Begradigung des Baches durch den Menschen ist der Gewässerverlauf naturfern und unbefriedigend.
Parameter 4: Uferbewuchs Bäume und Sträucher bieten einen guten Schutz vor Sonne; Die Beschattung ist regelmäßig und großflächig, bietet aber auch sonnige Stellen, je höher die Sonne steht; Das Laub der Bäume (Ahorn, Hänge-Birke, etc.) dient Detritusfresser als Nahrung; durch künstliche Begradigung und Steine am rechten und linken Uferrand entstehen kaum Biotopvernetzungen dadurch das Bäume und Sträucher zu hoch wachsen und kaum ins Gewässer reichen können; Ebenfalls von der künstlichen Begradigung betroffen ist die Ufer- und Gewässerstruktur da keine Wurzeln oder Totholz ins Wasser reicht; Die Vegetation ist unregelmäßig und könnte so seine optimale biologische Wirksamkeit erreichen; Bäume wechseln sich in regelmäßigen Abständen ab und kommen in unterschiedlichen Altersstufen vor, jedoch findet man kaum Totholz und nur vereinzelt einige Äste im Wasser; Starker Brennesselbewuchs vor allem Richtung Rammelsbach deutet auf Nährstoffeintrag hin.

Note: 3

Parameter 5: Uferstruktur Der Kuselbach ist ein Flachlandbach mit geringem Gefälle. Das Ufer wurde mit eingebrachten großen Steinen befestigt. Bei höherem Wasserstand kann sich das Wasser nicht ungehindert in die Breite ausdehnen. Durch Hindernisse im Gewässer wird die Fließgeschwindigkeit gebremst. Es sind keine Uferabbrüche zu erkennen.

Note: 3

Parameter 6: Gewässerquerschnitt Der Kuselbach weist an der untersuchten Stelle einen Wasserstand von circa 30cm, eine Breite (von Böschungsrand zu Böschungsrand) von circa 6m auf sowie eine Gewässerbreite/Ausdehnung von circa 2-3m und Böschungstiefe von circa 2,5 m auf. Nach ausgiebigen ökologischen Untersuchungen haben wir folgende Ergebnisse erhalten: Der Bachverlauf ist begradigt und die Uferböschung durch trapezprofilförmigen Ausbau vertieft, was folgende Konsequenzen mit sich bringt: die ökologisch bedeutsame Wasserwechselzone der Auenregion steht nicht im aktiven Kontakt zum Flieẞgewässer. Die Wasseroberfläche ist durch die künstlich angelegte Uferstruktur nicht in der Lage sich auszubreiten, was dazu führt, dass sich wasserreinigende Mikroorganismen nicht ausbreiten können. Gewässerbegleitende Lebensräume (Biotope) existieren nicht, dadurch ist die natürliche Biodiversität (Artenvielfalt) eingeschränkt. An der Stelle mit vermehrten Steinaufkommen ist die Flieẞgeschwindigkeit erhöht, was zu einer tieferen Erosion, an der genannten Stelle führt. 
Note: Durch menschlichen Eingriff ist der Kuselbach/ der Gewässerquerschnitt nur in einem mäẞigen Zustand. Zwar wird die Aue bei Hochwasser geschützt, jedoch beeinflusst die angelegte Struktur die Wasserwechselzone negativ. Des weiteren lässt sich sagen, dass der Gewässerrand ziemlich natürlich aussieht.

Aus diesen Gründen geben wir dem Gewässerquerschnitt die Note befriedigend – ausreichend.

Parameter 7: Strömungsbild Bei dem Kuselbach handelt es sich um einen Flachlandbach mit geringem Gefälle. Aufgrund des geringen Gefälles herrscht eine geringe Strömung und es kann kein abwechslungsreiches Strömungsbild entstehen. Es entsteht eine Strömungsvielfalt, durch unnatürlich platzierte
Steinhaufen, die staudammartig alle 30m in dem von uns beobachteten 100m Bereich zu finden sind. Durch die unnatürlich platzierten Steinhaufen entstehen verschiedene Fließgeschwindigkeiten und dadurch ein unterschiedliches Strömungsbild. Das Strömungsbild wurde in unserem Messbereich nicht durch die Uferstruktur und das Gewässerbett beeinflusst. Alle Untersuchungsergebnisse zu dem Strömungsbild wurden in einem 100m Abschnitt des Kuselbachs gemessen und beobachtet.
Parameter 8: Tiefenvarianz In unserem 100m Abschnitt konnten wir feststellen, dass die Tiefenvarianz hoch ist. Dies bedeutet ein häufiger räumlicher Wechsel der Wassertiefe. Wir nehmen an, dass die Ursache dafür auf das mehrfach angelegte künstliche Gestein zurückzuführen ist. Vorteil der hohen Tiefenvarianz für die Lebewesen in dem Gewässer ist das erhöhte Lebensraumangebot, das die Artenvielfalt fördern kann.

Note: 2

Parameter 9: Gewässersohle  Die Gewässersohle des Kuselsbachs in unserem Abschnitt besteht aus größeren Geröllsteinen, welche ein wenig veralgt sind und auf einer 2-3 cm dicken Sand/ Kiesschicht liegen. Eine Betonierung/ Verpflasterung liegt nur in extrem geringem Maße vor und es gibt keine übermäßig große Menge an Biomasse. Die Gewässersohle im Streckenverlauf ist wenig abwechslungsreich und verändert sich kaum. Ebenso gibt es keine Ansätze von Inselbildungen und eine Verschlammung.

Note: 2,5

Parameter 10: Durchgängigkeit In einem Abstand von ca. 15 Metern ist eine künstliche Steinanreihung über die gesamte Bachbreite vorzufinden. Diese sorgt für eine Zerwirbelung des Wassers, um durch Einspeisung von Sauerstoff eine Verbesserung der Wassergüte zu erreichen. Durch diese Konstruktion wurde eine neue ökologische Nische geschaffen, die das Ansiedeln neuer Organismen begünstigen soll. Problematisch ist die dadurch verursachte Ansammlung von Biomasse zwischen den Steinen und die daraus resultierende leichte Verschlechterung der Durchgängigkeit für wandernde Organismen im Wasser. Für wandernde Organismen entlang des Ufers ist die Durchgängigkeit ebenfalls gewährleistet.

Note: 2

Durchschnitt für die hydromorphologischen Parameter: 2,8
 
 
B: Physikalisch-chemische Parameter


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1: Messwerte 2019 vor der Kläranlage


 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2: Messwerte 2019 nach der Kläranlage  1= sehr gut, 5= mangelhaft
 

 

C: Biologische Parameter

Der Kuselbach ist im untersuchten Abschnitt trotz guter bis befriedigender Gewässergüte sehr Arten und Individuen arm. Vereinzelte Funde von Köcherfliegenlarven und Bachflohkrebsen lassen keine aussagekräftige Bewertung der biologischen Gewässergüte zu. Ein Grund für die Tierarmut könnte der späte Untersuchungstermin im Jahr sein (10. September). Im kommenden Jahr wird die gewässerkundliche Exkursion der Bio-Leistungskurse deshalb vor den großen Ferien durchgeführt.